Ein Fest mit vielen Gewinnern
Nach zehn Jahren Unterbruch traf sich die Schweizer Blasmusikszene über das Auffahrtswochenende in Biel zum Eidgenössischen Musikfest – einem musikalischen Wettstreit und friedlichen Grossanlass, der weltweit seinesgleichen sucht.
Während vier Tagen wurde die Stadt im Seeland zur Gastgeberin eines Festes, das diese Aufgabe mit Bravour meisterte. In nur knapp eineinhalb Jahren hat ein Organisationskomitee rund um Präsidentin Nadja Günthör und eine riesige Helferschar etwas geschaffen, das man sich zwar wünschen kann, sich aber kaum planen lässt.
Gemeinsam mit dem Schweizer Blasmusikverband gelang es, Musikvereine aller Kategorien in grosser Zahl anzusprechen, attraktive Wettspiele zu organisieren und ein breites Publikum anzulocken, das voll auf seine Kosten kam. Eine ganze Region hiess die Schweiz willkommen – über 100’000 Menschen folgten dieser Einladung.
Die Blasmusik stand dabei so stark im Rampenlicht wie selten zuvor und vermochte weit über die eigene Szene hinaus Interesse und Begeisterung zu wecken. Einen bedeutenden Beitrag dazu leistete auch die Medienpräsenz der SRG mit über 30 Stunden Live-Übertragungen und Sondersendungen – ein Meilenstein in der Fernsehgeschichte der Schweizer Blasmusik. Allen Verantwortlichen gratuliere ich herzlich zu dieser ausserordentlichen Leistung.
Während vier Tagen durfte ich das Musikfest von morgens bis spät nach den Siegerehrungen hautnah erleben – einerseits als aktiver Musikant mit meinem Verein, andererseits als Vertreter des Solothurner Blasmusikverbandes und interessierter Festbesucher. Mal nass von kurzen Regenschauern, mal fröstelnd wegen der Ausläufer der Eisheiligen, mal anstehend vor dem Kongresssaal, mal mitten im Publikum entlang der Parademusikstrecken.
Immer wieder staunte ich über die hervorragend funktionierende Logistik bei Transport und Verpflegung, über die Vielfalt an kostenlos erlebbarer Musik und über eine sensationell gute App, die sämtliche wichtigen Informationen per Klick verfügbar machte. Dahinter steckt die Arbeit unzähliger Menschen – ihnen allen gebührt ein grosses Bravo.
Ab wann spricht man von einem Erfolg an einem Eidgenössischen Musikfest?
Diese Frage stelle ich mir nicht erst seit der Siegerehrung oder dem Download der Ranglisten. Natürlich freut es uns ausserordentlich, wenn Vereine Podestplätze erreichen. Doch Spitzenresultate können – je nach Zielsetzung – auch eine ganz andere Bedeutung haben.
Beim Besuch der vielen Solothurner Vereine durfte ich mit Stolz feststellen, dass deutlich mehr als die Hälfte aller Solothurner Blasmusikvereine am EMF 2026 teilgenommen haben. Damit haben sie ihre Komfortzone verlassen und sich einer Jury sowie einem fachkundigen Publikum gestellt. Unsere Vereine liessen sich – von der 1. bis zur 4. Klasse, in Harmonie- und Brass-Band Besetzung – in Konzert-, Unterhaltungs- und Parademusik beurteilen.
Ein Verein bereicherte das Fest zusätzlich mit Auftritten im Rahmenprogramm, andere stellten Mitglieder als Helferinnen und Helfer zur Verfügung. Unabhängig von Rang und Resultat haben aus meiner Sicht alle gewonnen.
Mit intensiver Vorbereitungsarbeit, musikalischer Qualität und dem Überwinden zahlreicher Herausforderungen – von Besetzungslücken bis zu finanziellen Belastungen – sind die Vereine über sich hinausgewachsen und haben einen bedeutenden Meilenstein in ihrer Vereinsgeschichte gesetzt.
Besonders berührt hat mich, mit wie viel Konzentration und Herzblut musiziert wurde.
Beeindruckt haben mich auch jene Vereine, die ihren Jungmusikantinnen und Jungmusikanten erstmals die Teilnahme an einem solchen Grossanlass ermöglichten – ein Erlebnis, das ihnen ebenso unvergesslich bleiben wird wie jenem Musikanten, der nach 60 Aktivjahren sein letztes Eidgenössisches Musikfest erleben durfte.
Nicht zu vergessen sind die Dirigentinnen und Dirigenten. Mit ihrer kompetenten Arbeit, ihrem
Einfühlungsvermögen und ihrem grossen Engagement haben sie ihre Vereine gezielt auf diesen Tag vorbereitet und unvergessliche Auftritte ermöglicht.
Das Eidgenössische Musikfest kennt somit viele Gewinner, die mehr ausdrücken als jede Rangliste je erfassen könnte.
Der Solothurner Blasmusikverband gratuliert allen Vereinen herzlich zur erfolgreichen Teilnahme und dankt ihnen für die wunderbare musikalische Visitenkarte, die sie hinterlassen haben.
Im Namen des Solothurner Blasmusikverbandes
Ruedi Berger, Präsident
Laupersdorf, 21.06.2026
